Wie wir verhindern können, dass eine Handvoll Streikender die belgische und französische Branche in Geiselhaft nimmt

02 Juni 2016

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Ein kleiner Streik mit gewaltiger Wirkung

Für die Bahnspeditionen in Belgien und Frankreich waren die letzten Tage unerträglich. Eine kleine Minderheit des Personals der Netzbetreibergesellschaften ist in Streik getreten und hat es tatsächlich geschafft, den landesweiten Bahngüterverkehr in beiden Ländern sowie den internationalen Verkehr durch Großbritannien, Deutschland und Spanien lahm zu legen … Alle Frachtunternehmen – ob privat oder öffentlich – leiden gewaltig unter dieser Situation.
Auch die Industrie traf es hart. Bedeutende bahnabhängige Industriebranchen wie Stahl und Chemie waren gezwungen, die Produktion zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Gemeinsam mit den Betroffenen suchten wir sofort nach alternativen Transportwegen, doch aufgrund der Dauer des unangekündigten Streiks ist es äußerst schwierig, Lösungen zu finden, die jeden Bedarf abdecken.

Das Vertrauen in den Bahngüterverkehr ist beschädigt

Speditionen wie B Logistics arbeiten jetzt mit allen Kräften daran, das Vertrauen der Verbraucher in die Bahn wieder herzustellen. Die Bahn ist mit Abstand die umweltfreundlichste Transportart. Sie wirkt sich ausgesprochen positiv auf die Mobilität aus und erweist sich als wichtiger Faktor in der globalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Häfen und Länder. Wir sehen es als unsere Aufgabe und Mission an, die modale Verlagerung auf die Schiene Wirklichkeit werden zu lassen. Umso ärgerlicher, dass eine kleine Gruppe von Bahnarbeitern das Image der gesamten Bahnbranche innerhalb weniger Tage derart beschädigen kann.

Die Lösung: garantierter Zugang zum Bahnnetz für alle Transportanbieter

Was den Straßenverkehr anbelangt, muss er natürlich weiterhin jederzeit allen privaten und beruflichen Nutzern offen stehen. Der Zugang zum Bahnnetz wird als grundlegender öffentlicher Dienst vorausgesetzt und muss stets gewährleistet sein, genau wie die Wasser- und Stromversorgung. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von öffentlichen Diensten (Armee, Gesundheitswesen …), die in der Lage sind, die Kontinuität ihrer Einsatzbereitschaft zu garantieren, selbst bei einem Streik.

Mein Vorschlag für die Bahnbranche ist eine Kombination aus beiden, um den Zugang zum Bahnnetz zu garantieren. Der Bahnnetzbetreiber muss für die Kontinuität des Dienstes sorgen (Signalgebung und Verkehrsleitung), damit der uneingeschränkte Zugang zur Bahninfrastruktur jederzeit für alle Anbieter gewährleistet ist.

Was ist hierzu nötig?

Um den Zugang zum Bahnnetz garantieren zu können, braucht man einerseits einen gut vorbereiteten, proaktiven Netzbetreiber, der in der Lage ist, eine gewisse Anzahl Mitarbeiter zu mobilisieren (in Belgien würden einige Hundert reichen), die hinlänglich ausgebildet sind und Zugang zur nötigen technischen Ausrüstung haben, um das Bahnnetz unter allen Umständen in Betrieb zu halten.

Zweitens bedarf es zusätzlicher Vorschriften von öffentlicher Seite, um die Verhaltensregeln bei einem Streik festzulegen. So wäre der Netzbetreiber in der Lage, die obige Lösung auch umzusetzen.

Der garantierte Zugang zur Bahninfrastruktur ist absolut realistisch und machbar. Dies durchzusetzen, erfordert allerdings eine sorgfältige Vorbereitung und politische Courage. Es ist aber die Mühe wert, wenn es darum geht, eine kleine Gruppe von Streikenden davon abzuhalten, ganze Länder und Industriezweige in Geiselhaft zu nehmen. In jedem Fall wäre es der Glaubwürdigkeit des Bahngüterverkehrs ungemein förderlich.

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